Das Lied

 
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Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nacht,
drum kimm i zu dir her, mei Heiland, auf d’Wacht.
Will singa a Liadl dem Liabling, dem kloan,
du magst ja net schlafn, i hör di nur woan.
Hei hei, hei hei, schlaf süaß, herzliabs Kind!
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     Vergiass hiatzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load,
     dass d’ doda muasst leidn im Stall auf da Hoad.
     Es ziern ja die Engerl dei Liegerstatt aus,
     möcht schöner net sein drin an Kini sei Haus.
     Hei hei, hei hei, schlaf süaß, herzliabs Kind!

     Ja Kinderl, du bist halt im Kripperl so schen,
     mi ziemt, i kann nimmer da weg von dir gehn.
     I wünsch dir von Herzn die süaßeste Ruah,
     die Engerl vom Himmel, die deckn di zua.
     Hei hei, hei hei, schlaf süaß, herzliabs Kind!

     Schliaß zua deine Äugerl in Ruah und in Fried
     und gib ma zan Abschied dein Segn no grad mit.
     Aft wird a mei Schlaferl a sorgenlos’ sein,
     aft kann i mi ruahli aufs Niederlegn gfrein.
     Hei hei, hei hei, schlaf süaß, herzliabs Kind!    
 

 DieDer Text stammt aus einem 1884 erschienenen Gedichtband von Pfarrer Anton Reidinger und trug den Titel "Krippllied".
Reidinger wurde am 29. April 1839 in Krenglbach bei Wels geboren. Er war St. Florianer Sängerknabe zu einer Zeit, als auch der ehemalige Sängerknabe Anton Bruckner im Stiftsgymnasium unterrichtete. Nach der Matura in Kremsmünster studierte er Theologie, wurde Kooperator in Bad Ischl, dann Pfarrer von Eggerding und schließlich Obernberg. 

Im "Vierteltakt", der Zeitschrift des OÖ. Volksliedwerks, schreibt Alfred Herrmüller: 
Wenn Feste gefeiert wurden oder sich heitere Begebenheiten abspielten, wandte man sich an Pfarrer Reidinger, er möge Festgedichte oder lustige Gsangl machen, von denen er  selbst sagte: "Lustige Gsangln, dö sand hold mei Freud, dö dicht i zan liaban, daß lacha mögn d'Leut"…
Wegen des besonderen Bezuges seiner Dichtung zur Weihnacht bedachte ihn Monsignore Pesendorfer in seinem Buch "Das Domkapitel in Linz" (Pressverein Linz, 1929) mit der ehrenvollen Bezeichnung "Sänger der Weihnacht".
War es Zufall oder Fügung – Dechant Anton Reidinger, dem Weihnachten so viel bedeutete, starb in der Heiligen Nacht 1912, zwei Minuten nach Beginn der Christmette in Obernberg am Inn. Hier wurde er auch begraben.
  der Christmette.Hier wurde er auch begrabe
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1913 wurde Anton Reidingers "Krippllied" übrigens als "Christkindl-Wiegenlied" in 4-stimmigem Satz mit Begleitung (Flöte, Klarinetten, Geigen, Cello und Bass) in der Sammlung "Echte Tiroler Lieder" von Franz Friedrich Kohl und Josef Reiter  veröffentlicht. Ihnen hatte es der alte Sternsinger Eduard Strobl aus Hopfgarten mitgeteilt.

(Bild oben: Tonkrippe von Robert Himmelbauer. Foto: Klaus Huber)